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Ein eindrucksvolles Jauchzen und Frohlocken zum zweiten Advent

Helmut Rohm, Volksstimme Magdeburg | 10. Dez 2012

Magdeburg l Der Kirchenraum der Magdeburger Johanniskirche ist am Sonnabendabend stimmungsvoll dezent beleuchtet. Gespannte Stille. Fünf markante Paukenschläge und fanfarenhaft triumphale Trompetenklänge leiten das "Weihnachtsoratorium" von Johann Sebastian Bach (1685-1750) ein.

Der Universitätschor Magdeburg, begleitet vom Mitteldeutschen Kammerorchester unter der Gesamtleitung von Tobias Eger, stimmt mit seinem bemerkenswert großen Klangvolumen den sehr bekannten Eingangschor "Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage" ein. Das Publikum in der vollends ausverkauften Konzerthalle ist von Beginn an fasziniert in den Bann gezogen von der musikalisch-dramatisch verarbeiteten biblischen Geschichte der Geburt Jesu.

Die sechs Teile (Kantaten) wurden erstmals zu den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtstag 1734 und dem Epiphanisfest 1735 in Leipzig vom Thomanerchor aufgeführt. Der Magdeburger Konzertabend präsentierte die Kantaten I bis IV.

Das Oratorium ist geprägt durch eine abwechslungsreiche Folge von klangreichen Chören, Chorälen, handlungscharakterisierenden Rezitativen sowie den Arien der Gesangssolisten. Hervorzuheben ist bei der Magdeburger Aufführung einerseits die meisterliche Klangreinheit aller Stimmlagen, deren ausbalanciertes Zusammenwirken und die spürbare Sangesfreude der annähernd 100 Chormitglieder.

Anderseits agierte das Orchester nicht nur souverän bei der Begleitung des Chores und der Solisten, den Zwischenmusiken oder der Sinfonia zu Beginn der zweiten Kantate. Es verfügt über ebenso meisterlich spielende Solisten, die bei einigen Arien stimmige Instrumentalpartner waren.

Dass diese spannungsgeladene Oratoriumsaufführung zu einem vom Publikum konzentriert verfolgten und begeistert aufgenommenen Gesamterlebnis in Symbiose von Hören und auch Sehen wurde, ist ebenso den Gesangssolisten zu verdanken.

In den Auftritten von Agnes Bryja (Sopran), Bettina Denner-Brückner (Alt), Frank Blümel (Tenor) und Mario Hoff (Bass) vereinten sich diktionsreiner, meisterlicher, mühelos erscheinender Gesang und eine wirkungsvolle, jedoch unaufdringliche emotional geprägte mimisch-gestische Gestaltung.

Obwohl durchweg erlebnisreich, soll es legitim sein, einige besondere Höhepunkte herauszustellen. Dazu gehören unter anderem die Alt-Arie "Bereite Dich, Zion..." mit Oboe-Violine-Soli, die Bass-Arie "Großer Herr..." mit Trompeten- und Flötenbegleitung, auch die strahlende Tenorarie "Frohe Hirten...", die von der Soloflöte begleitet wurde. Bewegender Höhepunkt war auch die wunderbare Sopran- und Sopran-Echo-Arie "Flößt, mein Heiland...".

Das zweistündige Konzert fand mit dem Choral "Jesus richte mein Beginnen..." einen würdig-besinnlichen Abschluss. Die vom eindrucksvollen Konzerterlebnis aufgebaute Spannung löste sich beim Publikum zunächst etwas zögerlich, ehe begeistert starker Beifall aufbrandete. Das Ensemble legte daraufhin noch ein Zugabe nach.

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