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Großes Klangvolumen für die Erschaffung der Welt

Helmut Rohm, Volksstimme Magdeburg | 01. Okt 2012

Magdeburg l Für sein 30. Konzert im Dom zu Magdeburg wählte der Universitätschor Magdeburg am Samstagabend ein dem Jubiläum und dem besonderen Ort angemessenes monumentales Werk aus. Das Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn (1732-1809), am 19. März 1799 in Wien erstmals öffentlich aufgeführt, hat im Laufe der Jahrhunderte nichts an Faszination verloren. Es thematisiert in drei Teilen die Erschaffung der Welt und stellt das Lob Gottes in deren Mittelpunkt.

Die Konzertgäste im sehr gut besuchten Dom erlebten einen optisch beeindruckenden Universitätschor Magdeburg, der sich mit Mitgliedern der Zerbster Kantorei und ehemaligen Domchorsängern verstärkt hatte. Die über 100 Sängerinnen und Sänger brillierten vor allem mit ihrem in den Stimmlagen ausgewogenen polyphonen Gesang. Die präsentierten Jubel- und Lobgesänge von Eingangschoral "Und Gott sprach: Es werde Licht" bis zum gewaltigen Schlusschor gemeinsam mit den Soli-Stimmen "Singt dem Herrn alle Stimmen!" waren sowohl von großem Klangvolumen und begeisterndem Klangreichtum geprägt.

Das groß besetzte Mitteldeutsche Kammerorchester bewies sich durchgängig als einfühlsamer Begleiter der solistischen Passagen, überzeugte mit fabelhaftem Gespür für die Interpretation der von Haydn so vielfach komponierten Lautmalerei.

Die Zuhörer konnten eindrucksvoll das anfangs geschilderte Chaos ungeordneter Mächte mit auch schon lyrischen Ausblicken auf Kommendes nachvollziehen.

Die Erschaffung des Lichtes gestaltet sich als euphorischer Gefühlsausbruch. Die Beschreibung des vielfältig entstehenden Universums, die Haydn mit von Einfachheit geprägtem kompositorischen Einfallsreichtum schuf, hat das Gesamtensemble des Magdeburger Konzertes in der vom Komponisten wohl gewollten Art und Weise, sehr zur Freude der begeisterten Gäste umgesetzt, die sich am Ende mit viel Beifall und Standing Ovations bedankten.

Wesentlich zum guten Gelingen der Oratorium-Aufführung trugen die Solisten bei, die als Erzengel die Schöpfungsgeschichte mit Rezitativen und Arien schildern. Sopranistin Friederike Holzhausen stellte als Gabriel und Eva (dritter Teil) erlebbare Charaktere dar. Gotthold Schwarz, Raphael und Adam, sprang kurzfristig mit seinem baritonalen Bass für einen erkrankten Sänger ein. Klar und sehr diktionssicher agierte der Tenor Uwe Stickert als Uriel.

Das ganz besondere Lob gebührt Tobias Eger, der nach intensiven Proben die über 100 Sängerinnen und Sänger zu einem zeitweisen Konzertchor formierte, das Gesamtensemble bildete und den Abend selbst mit seiner Leitung hoch konzentriert und souverän zum Erfolg führte.

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